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Perimenopause und Luftnot: Können Hormonschwankungen die Atmung beeinflussen?

Was über mögliche Zusammenhänge bekannt ist - und warum neue oder zunehmende Atemnot ärztlich abgeklärt werden sollte.

PC

Petra Creutz

31. August 2026

Perimenopause und Luftnot: Können Hormonschwankungen die Atmung beeinflussen?

Kurzatmigkeit, das Gefühl, nicht richtig tief einatmen zu können, oder plötzlich auftretender „Lufthunger“ gehören nicht zu den klassischen Leitsymptomen der Perimenopause. Dennoch berichten manche Frauen in dieser Lebensphase über genau solche Beschwerden. Die wissenschaftliche Literatur liefert inzwischen Hinweise darauf, dass die menopausale Transition tatsächlich mit Veränderungen der Atemwege und der Lungenfunktion verbunden sein kann. Gleichzeitig gilt eine wichtige medizinische Regel: Neu aufgetretene Luftnot sollte nicht vorschnell den Hormonen zugeschrieben werden.

Was passiert in der Perimenopause?

Die Perimenopause bezeichnet die Übergangsphase vor der Menopause und reicht bis in die erste Zeit danach. Charakteristisch sind zunehmend schwankende ovarielle Hormonspiegel. Insbesondere Estradiol und Progesteron verändern sich nicht einfach kontinuierlich nach unten, sondern können erheblich fluktuieren.

Diese hormonelle Dynamik kann zahlreiche Organsysteme beeinflussen. Typische Beschwerden sind Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Zyklusveränderungen, Stimmungsschwankungen sowie teilweise Herzklopfen oder Palpitationen.

Weniger bekannt ist, dass Sexualhormone auch außerhalb der Reproduktionsorgane wirken. Östrogene und Progesteron beeinflussen unter anderem Immunreaktionen, Atemwege, Gefäßfunktion und Mechanismen der Atemregulation. Ein aktueller Review beschreibt entsprechend vielfältige Zusammenhänge zwischen menopausalen Hormonen, Atemphysiologie und pulmonalen Erkrankungen.¹

Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Menopause und Lungenfunktion?

Dafür gibt es epidemiologische Hinweise.

Eine große europäische Untersuchung von Gómez Real und Kollegen analysierte Frauen im Alter zwischen 45 und 56 Jahren. Frauen, die seit mindestens sechs Monaten keine Menstruation mehr hatten, zeigten gegenüber regelmäßig menstruierenden Frauen im Mittel niedrigere Werte sowohl für die Einsekundenkapazität (FEV₁) als auch für die forcierte Vitalkapazität (FVC). Gleichzeitig berichteten sie häufiger über respiratorische Symptome.²

Eine spätere systematische Übersichtsarbeit kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Menopause mit einer klinisch relevanten Abnahme bestimmter Lungenfunktionsparameter assoziiert sein könnte. Die Veränderungen zeigten dabei eher ein nicht-obstruktives Muster. Die Autoren betonten allerdings ausdrücklich, dass Faktoren wie Alter, metabolische Veränderungen und eine menopausale Hormontherapie die beobachteten Zusammenhänge beeinflussen können.³

Nicht alle Untersuchungen kommen jedoch zum gleichen Ergebnis. In der Isparta Menopause and Health Study verschwand der statistische Zusammenhang zwischen Menopause und FEV₁ beziehungsweise FVC nach Berücksichtigung des Alters.⁴

Die Datenlage spricht deshalb eher für einen möglichen Zusammenhang als für die einfache Aussage: „Östrogenmangel verursacht Luftnot“.

Warum könnten Hormone die Atmung beeinflussen?

Mehrere Mechanismen sind denkbar.

1. Sexualhormone wirken auf Atemwege und Lungengewebe

Östrogene und Progesteron besitzen Rezeptoren beziehungsweise biologische Wirkungen in zahlreichen Geweben. Sie können unter anderem Immunreaktionen, Entzündungsprozesse, Atemwegstonus und vaskuläre Prozesse beeinflussen.¹

Damit ist biologisch durchaus plausibel, dass Veränderungen der Sexualhormone während der menopausalen Transition auch respiratorische Erkrankungen oder Symptome modulieren können.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jede perimenopausale Luftnot unmittelbar durch einen niedrigen Östrogenspiegel entsteht.

2. Veränderungen der Atemregulation

Progesteron besitzt respiratorisch stimulierende Eigenschaften. Veränderungen des hormonellen Milieus könnten daher theoretisch auch die Wahrnehmung und Regulation der Atmung beeinflussen.

Das subjektive Gefühl von Luftnot ist zudem komplex: Es entsteht nicht ausschließlich aufgrund einer verminderten Sauerstoffaufnahme. Atemmuster, vegetatives Nervensystem und die zentrale Wahrnehmung der Atmung spielen ebenfalls eine Rolle.

3. Hitzewallungen, Palpitationen und vegetative Symptome

Perimenopausale Beschwerden treten häufig nicht isoliert auf. Eine Episode kann beispielsweise mit Wärmegefühl, Herzklopfen, innerer Unruhe und einer Veränderung der Atmung einhergehen.

Dadurch kann das subjektive Gefühl entstehen, „nicht genug Luft“ zu bekommen, obwohl keine primäre Lungenerkrankung vorliegt.

4. Angst, Stress und Hyperventilation

Die menopausale Transition kann bei manchen Frauen mit Angst-, Schlaf- und Stimmungssymptomen verbunden sein. Eine verstärkte sympathische Aktivierung kann wiederum zu schnellerer oder tieferer Atmung führen.

Bei einer Hyperventilation wird mehr Kohlendioxid abgeatmet. Paradoxerweise kann gerade dadurch ein ausgeprägtes Gefühl von Atemnot, Brustenge, Schwindel oder Kribbeln entstehen.

Psychophysiologische Mechanismen sind deshalb eine mögliche Erklärung – aber erst nachdem relevante körperliche Ursachen angemessen berücksichtigt wurden.

Luftnot in der Perimenopause: Was sollte medizinisch ausgeschlossen werden?

Gerade im mittleren Lebensalter können zahlreiche Erkrankungen erstmals auftreten oder deutlicher symptomatisch werden. Bei neu entstandener oder zunehmender Dyspnoe gehören abhängig von der individuellen Situation beispielsweise folgende Differenzialdiagnosen in Betracht:

  • Asthma oder andere Atemwegserkrankungen
  • Infektionen und postinfektiöse Beschwerden
  • Anämie beziehungsweise Eisenmangel
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • koronare oder andere kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Herzinsuffizienz
  • pulmonale Erkrankungen
  • körperliche Dekonditionierung
  • Angst- und Hyperventilationssyndrome
  • venöse Thromboembolie beziehungsweise Lungenembolie

Welche Untersuchungen sinnvoll sind, richtet sich nach Anamnese und klinischem Befund. Blutbild und gegebenenfalls Eisenstatus, Schilddrüsenparameter, EKG, Lungenfunktion oder eine weiterführende kardiologische beziehungsweise pneumologische Diagnostik können je nach Situation angezeigt sein.

Besondere Aufmerksamkeit bei Hormontherapie

Ein wichtiger Punkt betrifft Frauen, die eine menopausale Hormontherapie (MHT) anwenden.

Das Risiko venöser Thromboembolien hängt unter anderem von individuellen Risikofaktoren sowie von Art und Applikationsweg der Hormontherapie ab. Leitlinien und Übersichtsarbeiten unterscheiden insbesondere zwischen oralem und transdermalem Östrogen. Die deutsche S3-Leitlinie weist darauf hin, dass das Thromboembolierisiko unter oraler Östrogen- beziehungsweise Östrogen-Gestagen-Therapie höher ist als unter transdermaler Anwendung.⁵

Auch internationale Empfehlungen berücksichtigen diesen Unterschied und empfehlen bei erhöhtem VTE-Risiko, sofern eine MHT infrage kommt, bevorzugt einen nicht-oralen Östrogen-Applikationsweg.⁶

Plötzlich auftretende Luftnot unter einer Hormontherapie darf deshalb nicht einfach als Wechseljahresbeschwerde interpretiert werden.

Wann ist Luftnot ein Notfall?

Eine sofortige medizinische Abklärung ist insbesondere erforderlich bei plötzlich starker oder rasch zunehmender Atemnot, Brustschmerz oder ausgeprägtem Druckgefühl im Brustkorb, Ohnmacht beziehungsweise Kreislaufkollaps, Bluthusten oder Luftnot in Kombination mit Zeichen einer möglichen tiefen Beinvenenthrombose.

Bei schweren oder lebensbedrohlich wirkenden Beschwerden wählen Sie den Notruf 112. Auch anhaltende oder zunehmende Luftnot ohne diese Warnzeichen sollte ärztlich abgeklärt werden.

Hilft eine Hormontherapie gegen Luftnot?

Aus der bisherigen Datenlage lässt sich keine allgemeine Empfehlung ableiten, eine menopausale Hormontherapie gezielt zur Behandlung von Luftnot einzusetzen.

Eine MHT kann bei geeigneten Patientinnen eine wirksame Behandlung insbesondere vasomotorischer menopausaler Beschwerden sein. Die Entscheidung darüber sollte aber anhand der tatsächlichen Wechseljahresbeschwerden sowie der individuellen Nutzen-Risiko-Konstellation erfolgen. Europäische Leitlinien empfehlen entsprechend eine individualisierte Beratung und Risikobewertung.⁷

Die Zusammenhänge zwischen MHT und Lungenerkrankungen sind zudem komplex. Ein Review aus dem Jahr 2026 beschreibt beispielsweise heterogene Ergebnisse für Asthma und andere pulmonale Erkrankungen.¹ Eine pauschale Aussage wie „Östrogen verbessert die Atmung“ ist wissenschaftlich daher nicht gerechtfertigt.

Fazit

Luftnot kann während der Perimenopause auftreten – sie ist jedoch kein Symptom, das automatisch den Wechseljahren zugeschrieben werden sollte.

Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass die menopausale Transition mit Veränderungen der Lungenfunktion und einer Zunahme respiratorischer Symptome verbunden sein kann. Sexualhormone beeinflussen Atemwege, Immunreaktionen, Gefäße und wahrscheinlich auch die Regulation der Atmung. Gleichzeitig können Palpitationen, vasomotorische Beschwerden, Schlafprobleme, Stress und Hyperventilation das Gefühl von Atemnot verstärken.

Entscheidend bleibt jedoch die Differenzialdiagnostik: Besonders bei neu aufgetretener, ausgeprägter oder zunehmender Luftnot müssen pulmonale, kardiologische, hämatologische und andere behandelbare Ursachen berücksichtigt werden.

Die richtige Frage lautet deshalb nicht nur „Kann das von der Perimenopause kommen?“, sondern zunächst: „Welche Ursache steckt hinter der Luftnot – und gibt es Hinweise darauf, dass die hormonelle Transition daran beteiligt ist?“

Hinweis: Dieser Beitrag dient der medizinischen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung oder Beratung.

Quellen

  1. Rodrigues MAH, Gompel A. Menopausal hormone therapy and pulmonary diseases. Climacteric. 2026;29(3):327–337. doi:10.1080/13697137.2026.2671756.
  2. Gómez Real F, Svanes C, Omenaas ER, et al. Lung function, respiratory symptoms, and the menopausal transition. J Allergy Clin Immunol. 2008;121(1):72–80.e3. doi:10.1016/j.jaci.2007.08.057.
  3. Campbell B, Davis SR, Abramson MJ, et al. Menopause, lung function and obstructive lung disease outcomes: a systematic review. Climacteric. 2018;21(1):3–12. doi:10.1080/13697137.2017.1392504.
  4. Songür N, Aydin ZD, Oztürk O, et al. Respiratory symptoms, pulmonary function, and reproductive history: Isparta Menopause and Health Study. J Womens Health (Larchmt). 2010;19(6):1145–1154.
  5. Ortmann O, Beckermann MJ, Inwald EC, et al. Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen: interdisziplinäre S3-Leitlinie. Arch Gynecol Obstet. 2020.
  6. Stuenkel CA, Davis SR, Gompel A, et al. Treatment of Symptoms of the Menopause: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2015;100(11):3975–4011. doi:10.1210/jc.2015-2236.
  7. Lumsden MA, Dekkers OM, Faubion SS, et al. European Society of Endocrinology clinical practice guideline for evaluation and management of menopause and the perimenopause. Eur J Endocrinol. 2025;193(4):G49–G81.

Aktueller Hinweis: Die Konsultationsfassung der deutschen S3-Leitlinie wurde am 10.06.2026 veröffentlicht. Sie ist als Konsultationsfassung kenntlich gemacht und nicht mit einer endgültigen Leitlinienfassung gleichzusetzen.

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